20.3.2006
Marita Bartel (Name geändert) kam der Anruf gar nicht gelegen:
Die Dame aus Berlin platzte mitten in ihre Hochzeitsvorbereitungen mit der
Nachricht herein, dass sie ihre Zwillingsschwester nach 30 Jahren unbedingt
wiedersehen wollte. Die beiden Schwestern waren kurz nach der Geburt getrennt
und von zwei verschiedenen Familien adoptiert worden. Seither waren sich die
Zwillinge nicht mehr begegnet. Aber ein Wiedersehen ausgerechnet jetzt, wo die
Nerven wegen der Vorbereitungen ohnehin schon blank lagen, das passte der Braut
nun gar nicht.
Susanne Panter, Leiterin des Personensuchdienstes „Wiedersehen macht Freude“,
konnte sie umstimmen. Eine verblüffende Duplizität der Ereignisse erleichterte
ihr die Aufgabe: Auch der Zwilling in Berlin stand nämlich kurz vor der
Eheschließung und wollte das Fest nicht ohne seine Schwester feiern. Und so kam
es, dass die beiden Frauen, die ihre jeweilige Hochzeit ohne es zu wissen auf
dasselbe Datum gelegt hatten, dann doch zusammen feierten.
Geschichten wie diese kennt Personensucherin Panter viele. Seit fünf Jahren
verfolgt sie die Spur von Menschen, die von ihren Eltern oder Geschwistern,
Freunden oder Schulkameraden vermisst und deshalb gesucht werden. „Meistens
befinden sich unsere Auftraggeber in einer Umbruchphase“, sagt sie über ihre
Klienten. Das kann ein glücklicher Anlass sein, ein Geburtstag etwa. Manchmal
weckt aber auch ein Todesfall die Sehnsucht nach ehemals vertrauten Menschen.
Die meisten Vermissten werden gefunden. Und nur einer von zehn lehnt strikt ein
Wiedersehen mit dem Suchenden ab.
Wer dagegen abtaucht und jeden Kontakt abgebrochen hat, dem spüren die
Personensuchdienste nicht nach. Das sind Fälle für Privatdetektive. Bisweilen
schaltet sich aber auch die Kriminalpolizei ein. Wenn Menschen plötzlich
verschwinden, obwohl sie eigentlich nur kurz mal zum nächsten Supermarkt
wollten. Über 6800 Menschen sind das in Berlin jährlich.
Zu den Kunden der Suchdienste zählen hingegen oft uneheliche Kinder, die ihren
leiblichen Vater kennen lernen möchten. Einer Frau aus Berlin konnte der
Kontakt zum leiblichen Vater im Kongo vermittelt werden. Nun stehen die beiden
in Briefkontakt. Für eine persönliche Begegnung reicht das Geld nicht – der
Flug ist teuer. Einige Väter lehnen ein Treffen mit ihrem unehelichen Kind aber
auch ab. Weil sie Unterhaltsforderungen fürchten zum Beispiel. „Das geht so
weit, dass sie sogar leugnen, die gesuchte Person zu sein“, sagt Andreas Löb.
Löb ist seit zehn Jahren auf Personensuche und kennt auch die Kehrseiten des
Jobs. Eine Auftraggeberin musste er herb enttäuschen: Der angeblich vermögende
Witwer, mit dem die Dame ihr Bett geteilt hatte, war in Wirklichkeit
verheiratet und Vater von zwei Kindern. „Da wird ganz schön geschwindelt“, sagt
Löb. Besonders bei Kontaktbörsen im Internet sei Vorsicht geboten. Um die
Chancen auf eine persönliche Begegnung zu verbessern, werde beim Chat der
Wohnort in ein besseres Viertel „verlegt“ und dazu auch der passende Beruf
erfunden.
Wer einen Menschen suchen lässt, der gar nicht gefunden werden will, sollte
einen Detektiv beauftragen. Der kann den geschiedenen Ehemann aufspüren, der
seine Alimente nicht mehr zahlt. Er findet untergetauchte Schuldner und im
besten Fall auch beiseite geschafftes Vermögen. „Viele Suchaufträge kommen aus
der Baubranche“, sagt Manfred Kohlrausch, Chef der Firma Duvos. Pleitiers in
dieser von Insolvenzen besonders betroffenen Branche meldeten sich beim
Einwohnermeldeamt einfach ab. Dann kommen die Mahnschreiben der Rechtsanwälte
ungeöffnet mit dem Vermerk zurück: „Unbekannt verzogen“.
Ohne Wohnsitz kann auch der Gerichtsvollzieher nichts pfänden. „Ein Schuldner
hatte sogar einen Wohnsitz in Marbella angegeben, doch wir haben ihn in Dahlem
ausfindig gemacht, wo man ihn nun gar nicht vermutet hatte“, sagt Kohlrausch.
Dort lebte er in einer komfortablen Wohnanlage, die er als Unternehmer selbst
errichtet hatte.