Ralf Schönball
Notizblog

einfach loslaufen!

5.1.2010
 

Um 5.04 Uhr war es dann genug: in die Laufschuhe reingeschlüpft und raus auf die Straßen von Las Vegas. Ist eine gute Zeit zum laufen. Alle Lichter noch an und kaum noch Menschen auf den Straßen. Da kann die Stadt richtig wirken. Und Las Vegas, so die Erkenntnis dieses Ausflugs, ist das Wohnzimmer der Amerikaner, ihr Zuhause draußen: Der Fernseher läuft die ganze Zeit, Leuchtreklamen und Leinwände, und die liebsten Urlaubsbilder hat man vergrößert und eingerahmt dicht an dicht an die Wände geklebt: Eifelturm und Triumphbogen, Venedigs Lagune vor dem Bellagio, etwas Antike (Caesars Palace), Türmchen und Burgmauer aus dem Mittelalter - es ist ein Spiel der Bilder, verkitscht verspielt ("Oooh, did You see this!").

Allerdings ist diese Zeit des Historien-Mimikris hier vorbei: Das Neuste vom Neuen ist das Baugebiet CitiCenter. "Unser" Libeskind hat schon seinen Teil dazu beigetragen und ein Berliner fühlt sich bei dem Anblick der Supermall wie zuhause: Das jüdische Museum lässt grüßen, schmale Lichtschlitze, silberfarbene Fassade, zerbrochener Stern, das kommt auch als Kommerzarchitektur gut, zumal das Gebäude von der Seitenansicht aussieht wie ein Schiffsbug (die Arche Noah? - Libeskind liebt doch Zitate!).

Auch die anderen Neubauten, an einigen arbeiten die Bauleute auch heute Nacht, als ich vorbeilaufe, sind bemerkenswert: drei schiefe Türme zum Beispiel, die mit den Sehgewohnheiten spielen. So einfach geht das: Aus der verbrauchten Postmodernen raus, in die Nachmoderne rein.

Einfacher als gedacht ist auch das Laufen in Las Vegas. An vielen Kasino-Hotels gibt es Brücken über die zwei- oder dreispurigen Straßen, nur selten muss man auf Ampeln warten. Um fünf Uhr morgens verlieren sich aber eh nur die Bauarbeiter, Reinigungskräfte, Hotelportiere und einige Nachtschwärmer auf dem Boulevard. Einer, die Kaputze in die Stirn gezogen, spricht mich an: "Are You making Sports, Sir?" will er wissen - "No!" antworte ich und laufe weiter, "Me not either", sagt er. Und ich pflichte ihm bei: "You're right!" - Hätte ich wohl besser nicht: "Wanna shoot!" ruft er mir hinterher.

Jetzt geht die Sonne vor dem Fenster auf. Es ist sieben Uhr morgens. Keine Wolke am Himmel. Am Horizont liegen die Berge (Rocky Mountains?). Es ist ein warmes gelbes Licht, nicht so gleißend wie in New York - aber vielleicht liegt das nur an der frühen Stunde.

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