Ralf Schönball
Notizblog

verzollt

12.1.2010
 

Seit Fliegen zu einer Massenveranstaltung wurde, ist es ein Ratespiel, ob man selbst ankommt und mit welchem Gepäck. Bei der Ankunft in Tegel, auf dem Rückflug von Las Vegas, war am Gepäckband keine Spur von meiner Tasche. Glücklicherweise ging es anderen ebenso. „Gehen Sie zum lost and found“, sagt uns ein Flughafen-Mitarbeiter. Aha, lost and found, so heißt der Gepäcksuchdienst nun also auch in Tegel… Dort gab es lange Schlangen von Wartenden. Und Unruhe sowie Ungewissheit darüber, ob dies denn nun die richtige Schlange sei. Am Ende ließ ich mich anstecken und machte mich noch einmal auf die Suche in der Haupthalle. Zu meiner Verwunderung waren die Flughafen-Mitarbeiter äußerst freundlich – und führten mich zurück, wo ich herkam…

Nun ja, die freundlichen Antworten lehren, die Service-Wüste liegt tatsächlich in Nevada, und in Berlin gibt es ganz klar den besseren Kaffee. Denn als ich bei meiner Rückkehr nun wirklich der letzte in der Schlage war, beschloss ich kurzerhand mir ein kleines Frühstück zu holen – wenn schon warten, dann kann man es sich dabei auch bequem machen. Und ich bekam einen ausgezeichneten Milchkaffee mit aufgeschäumter Milch und einen Pfannkuchen, für den man die ganzen USA absuchen müsste. Kurzum, es war ein Genuss, verkürzte mir die Wartezeit und als ich - gefühlt - recht bald an die Reihe kam, erfuhr ich, dass mein Gepäck gar nicht in New York oder sonst wo verschollen war – sondern beim Zoll vor dem Gebäude. Aha.

Hätte man mir das nicht schon früher mitteilen können? Schlange stehen, war ganz und gar überflüssig. Nicht ganz, denn ich hatte schließlich diesen wunderbaren Kaffee-Genuss erfahren. Schon recht, also. Unten, beim Zoll, schaute mich ein Beamter mit einem gewaltigen Kugelbauch ernst an und fragte mich, was ich denn mitgebracht habe. Vermutlich hatte er längst die Tasche durchsucht. „Eine Tasche für meine Tochter“, sagte ich „und etwas für meine Frau“. Was das denn gekostet habe? 20 Dollar die Tasche, 40 die Jacke für meine Frau. „Also keine 400 Euro?“ Nein, sagte ich. Vermutlich hatte der Zoll längst die Abbuchungen von meinem Kreditkarten-Konto gescannt. Warum also so kompliziert? Sei’s drum, er erklärte mir nicht, dass er gegen das Bankgeheimnis verstoßen habe und wünschte mir einen schönen Tag. Gott sei Dank, gibt es Gesetze in diesem Land.

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