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13 März 2009 18:09
06 Juni 2007 14:13
15 Februar 2007 12:47
13.1.2010
Wer nach Europa zurückkehrt, weiß, was er an der alten Welt hat: Komfort, Vielfalt, Verbindlichkeit, Lebensqualität – und Differenz. Allmählich kommt so etwas wie Sympathie für die kulturelle Differenz auf, die jenseits des Rheins so wertgeschätzt wird. Die Kommerzialisierung aller Lebensbereiche und der gewaltige ökonomische Druck in den USA lässt kaum Spielraum für Experimente. Deshalb begegnete ich so vielen Amerikanern, die ihre Verbundenheit mit Europa betonten – oder sogar versicherten, ihre Ahnen stammten aus Deutschland oder sonst wo aus Europa.
In eine Schlange auf dem Flughafen JFK begegnete ich einen Italiener, der ein beredtes Beispiel für diese Erfahrung ist. Dessen Firma ist im Maschinenbau als Lieferant für Caterpillar und andere tätig mit einer Niederlassung, eine Flugstunde von New York entfernt. Dort wurde der 30-jährige Ingenieur entsandt, um Karriere zu machen. Bei unserer Begegnung kam er gerade von Venedig zurück, wo er geboren ist und wo seine Familie lebt. Trotz zwei Wochen Heimat und weihnachtlicher Feiern, die viele Menschen hierzulande zermürbt den Alltag herbeisehnen lässt, war er von einer geradezu melancholischen Stimmung ergriffen. „Ich liebe Europa“, sagte er. Amerika sei zwar eine Erfahrung wert, doch mit Europa könne das Land nicht mithalten.
Und er erzählte, was er vermisst: Snowboard-Fahren in den Bergen am Wochenende, guten Wein und die kleinen Restaurants in der Altstadt von Venedig. Das vor allem. Und weil er inzwischen seit einer Weile nicht mehr in seiner Heimat lebt, braucht er zur Entdeckung dieser heimlichen Orte nun schon Hilfe von Freunden und Bekannten. „Das sind kleine Lokale, die der Inhaber betreibt“, erzählt er. Eine Speisekarte gebe es dort nicht. Und auch nur einen Wein. „Ein ehrlicher, aggressiver Wein“, schwärmt er, „ich liebe das!“. Und während er erzählt, kommen die Bilder dieser Lokale vor Augen: Vergilbte Wände in einem windschiefen Haus, mitten in einer engen Gasse, wo in den Obergeschossen die Wäsche zum Trocknen vor den Fenstern der Wohnungen herausgehängt wurde. Bella Italia!
Diese Bilder sind wohl auch ein Klischee für jeden Deutschen. Aber etwas Wahrheit ist daran ja auch. Ähnlich wie an dem Klischee von Berlin. Ein Journalist aus Chicago, dessen Akzent auf eine polnische oder andere osteuropäische Herkunft schließen ließ, schwärmte von unserer Stadt. Er hatte sich hier aufgehalten und sehnte sich zurück. Was wir und die Amerikaner, die nicht vollends im Patriotismus im Land der Mutigen aufgegangen sind, hier finden, ist diese Kultur des Werdens, die Raum für Vielfalt lässt. Es ist nicht so wie im Mutterland des Kapitalismus, wo die Handels- und Gaststätten-Ketten sofort alles schlucken, was anders ist – und wo sich die Gründer danach sehnen, geschluckt zu werden, um Kasse zu machen. Starbucks zum Beispiel, so erzählte ein Amerikaner, habe eine kleine Kette innovativer Kaffeehäuser aus Kanada sofort aufgekauft, als diese mit vorzüglichen Röstkaffee dem etablierten Filialisten ernsthaft Konkurrenz machte. In Deutschland und Europa bleibt eben Raum für das kleine Experiment, das abseits der ausgetretenen Pfade die Kreativität entfaltet – das scheitert gerne auch mal, oft garantiert es aber dem Unternehmer auch ein bescheidenes Auskommen und die Würde des selbstbestimmten Kleinunternehmers.