Ralf Schönball
Notizblog

gut schwintowski

20.1.2010
 

Gestern auf einer Veranstaltung unseres Hauses zu den Problemen von Fondsgesellschaften, die Berlin schon mal Anfang der 2000er Jahre an den Rande des Ruins gebracht hatten, saß Hans-Peter Schwintowski mit auf dem Podium. Er ist Professor an der Humboldt-Universität und ein wahrer Allrounder: BGB, Europarecht, Banken- und Anlegerrecht – und nach der Arbeit gerne auch noch vertieft in andere Wissenschaften, wie er mir beim Umtrunk nach der Veranstaltung verriet. Da wir nun aber bereits auf dem Podium über Lust und Leid der Anleger diskutiert hatten, wobei zurzeit die meisten wohl eher ihr Leid ob ihrer Verluste klagen, konnte ich mir die folgende Fragen nicht verkneifen: „Wie haben Sie eigentlich ihr Geld angelegt?“ Der ehrwürdige Professor schalt es mitnichten für indiskret und sagte frei heraus: „In ein Weingut in Frankreich und es war eine Investition von eins zu zehn“. Eins zu zehn? Ja, sagte er weiter, jeder habe zehn Mal so viel investiert, wie ursprünglich geplant. Bis heute, Ende offen. Aber dennoch sei die Freundschaft mit dem Mann, einem Architekten, der ihn da hineingezogen hatte, nicht zerbrochen. Inzwischen ist Schwintowskis Teil des Weinguts ein Olivenhain, weil die EU nicht noch mehr Wein aus dem Languedoc produziert wissen will. Aber das Olivenöl vom „Gut Schwintowski“ sei ausgesprochen gefällig: „Sanft und samtig und eine Note Chili im Abgang“, sagte er. Kaufmännisch rechne sich das natürlich nicht: Zehn Euro die Flasche müsste er bekommen – aber vorher erst einmal einen Vertriebsweg finden. Denn an Olivenölen fehlt es nicht einmal im hohen Norden und dass das Angebot in Berlin begrenzt ist, lässt sich auch nicht sagen. „Reservieren Sie mir eine Flasche, ich kaufe eine“, sagte ich. Er winkte ab, „ich schenke Ihnen eine“. Und da wir in lustiger Gesellschaft so da standen, berichtete ich von einem besonders gewissenhaften Kollegen, der jungen Journalisten ins Stammbuch schreibt, dass schon die Annahme eines Kugelschreibers vom Pfad der journalistischen Tugenden wegführe. Und als einer in der Runde mir zuwarf, da sei eine Flasche Olivenöl anstoßend, entgegnete ich: „Aber Professor Schwintowski will doch gar nichts von mir, sondern ich von ihm!“ Ich könne froh sein, wenn ich ihn überhaupt zu fassen kriege, bei seiner Termindichte und bei der großen Konkurrenz durch andere Kollegen, die ihn nicht weniger als ich als Interviewpartner schätzten. So gesehen habe ich durch die ergaunerte Flasche Olivenöl nun sogar einen Recherche-Vorteil. Und alles ist gut!

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