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13 März 2009 18:09
06 Juni 2007 14:13
15 Februar 2007 12:47
21.1.2010
Wer durch Kreuzberg läuft, ist von dem Stadtteil begeistert. Das geht Touristen so. Das geht den Neu-Kreuzbergern so. Das geht den Alteingesessenen so. Das geht uns Schönebegern so. Es geht einfach allen so. Multikulti, hallo!? Aber ist es das wirklich? Wer das „Monitoring Soziale Stadtentwicklung“ aufschlägt, stellt fest: Ganz schön prekär die Lage da, zu viel Prekariat. Und weil wir im vergangenen Jahr so viel über die Verdrängung der Alt-Kreuzberger durch die Kreativen geschrieben hatten, über steigende Mieten im Kiez und den neuen kreuzberger Schick, haben wir heute noch einmal eine Kollegin gebeten, die Leute dort mal zu fragen, wie sich das Leben in einem absteigenden Brennpunkt so anfühlt. Sie kam zurück und schrieb den bemerkenswerten Satz, den nur ein echter Kreuzberger von sich geben kann:
„Hier leben schließlich alle am Existenzminimum, auch Kneipiers, Händler und Künstler. Armut und ein gutes Leben schließen sich nicht aus, ist seine lässige Philosophie. „Bildungsbürger wissen damit umzugehen.“ Und die anderen? „Die haben tatsächlich verschissen“, für die müsse man was tun.“
Das ist wohl der Reichtum, das Kreuzberg meint, dass alles eine Frage der Haltung ist. Lässt sich das auf Bildungsbürgertum reduzieren? Eher nicht – auch die Streetcredibility, also die Glaubwürdigkeit, die sich die Jungs auf der Straße aneignen. Da klebt im Zweifel auch Blut am Ärmel. Außerdem gibt es die vielen kulturellen, ideologischen, intellektuellen, modischen oder sonstigen „Cliquen“, wie man früher sagte. „Peers“ nennt man sie heute. Hier würde man dann abtauchen in die Analyse der Gruppen und Grüppchen, die Identitäten stiften, abseits von Mainstream und Arbeitsmarkt. Und es öffnet den Blick für alles, was nicht vom Mangel behaftet ist: Mangel an Job, Geld und Perspektive.
Nun ist das aber leider auch und vor allem mit viel Sozialromantik behaftet – sofern es nicht irgendwann assimiliert wird von dem großen ganzen Verwertungszusammenhang. Anders ausgedrückt: Wenn es nicht angenommen und adaptiert wird. Wie die Mode zunächst den Penner-Look, dann den Knast-Look und nun den Porno-Schick assimilierte. Auf dieselbe Weise assimiliert die Stadt ihre verlorene Stadtteile: die Oranienburger Straße, den Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln. Sie scheidet aber auch Teile wieder aus. Das, was abseits des Schicks übrig bleibt. Wie aber gewinnt man diese Menschen für etwas weniger, aber Beständigeres als eine Mode: für unsere Gesellschaft? Das ist eine offene Frage.