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13 März 2009 18:09
06 Juni 2007 14:13
15 Februar 2007 12:47
23.1.2010
Ein gelungener Freitag Abend. Eine Babysitterin für die
Kinder eingestellt - und ab ins Kino. Nur noch in einem Haus laufen die
Anwälte. Das ist ein Biopic von Horst Mahler, Otto Schily und Christian
Ströbele. Erstaunlich diese Biografien. Und entlarvend, dieser Film, wobei er
weniger die Protagonisten entlarvte, als das Bild dessen, was man mit diesen
vermeintlich eng miteinander verbandelten Männern verbindet.Wie konnte man das nur vermuten. Wie sehr sind wir doch den Vorurteilen auf den Leim gegangen, die Schily und den anderen entgegenschlugen, als die Grünen erstmals in den Bundestag einzogen: "RAF-Anwälte".
Ausgangspunkt ist das Foto, das Schilly und Ströbele bei der Verteidigung von Mahler im Berliner Strafgericht an der Turmstraße zeigt. Mahler hockt hinter seinen beiden Verteidigern und redet, nach vorne gebeut, den Blick auf Ströbele gerichtet, auf diesen ein, während Schily, wie teilnahmslos daneben sitzt.
Verhaftet hatte man Mahler, weil er kurze Zeit zuvor zusammen mit anderen den Ausbruch von Andreas Baader ermöglichte bei einer Ausführung in die Bibliothek des Zentralinstitutes für Soziale Fragen und danach untergetaucht war. Mahler bleibt die blasseste Figur in diesem Film. Sonderbar: Gebrochen hat dieser Mann die 14-jährige Haft nicht. Sein Wandel vom linken Rand zum rechten erklären diese Auszüge aus den Gesprächen so: Er habe sich immer schon für Politik interessiert und in die Politik gehen wollen. Als Kind, so erzählt er, habe er die Pose von Hitler angenommen und mit dessen Diktion Reden gehalten. Ein Demagoge eben. Sehr unklar bleibt, wie es zu dem Gesinnungswechsel kam. Am ehesten ließe er sich so deuten, wie französische Historiker Hitler und Stalin in den 80er Jahren deuteten und womit sich in Deutschland Nolte den Ruf ruinierte: Zwei radikale Ränder der selben Episteme in der Mitte des 20. Jahrhunderts, radikal antidemokratische Gegenentwürfe für totalitäre oder tyrannische Herrschaften. Das aber wäre schon etwas Gemeinsames.
Mahlers Wandel, für Schily eine „Tragödie“. Der erntet Sympathiepunkte. Sein schönster Satz lautet: „Irgendwann wird man müde, wenn man jahrelang mit jedem Antrag scheitert“, erklärte er seinen Wechsel von Grün zu Rot und lächelte dabei. Beeindruckend auch seine Eloquenz und die Ruhe, mit der er schon als junger Anwalt für die Rechte der RAF-Mitglieder eintritt. Mit Bedacht wählt er seine Worte und platziert sie präzise, wie ein Florett.
Für Schily ist dieses Engagement ein Bekenntnis zu rechtsstaatlichen Prinzipien, die er damals durchsetzen will. Genauso erklärt er aber auch später seine Tätigkeit als Innenminister: Erneut ein Einsatz für den Rechtsstaat. Bilder des 11. Septembers flackern dabei über die Leinwand. Der Feind ist nun der Islamist – den Schily, einfach ausgedrückt, damit auf eine Stufe mit dem Nazi stellt, den er in den 70er Jahren noch in Amt und Würden in der Bundesrepublik sieht. Am Ende läuft Schily aus dem Gerichtssaal, knüpft sich vor der Ausgangstür noch den Mantel zu, denn es regnet draußen, doch dann öffnet ein Fahrer die Tür zu der immer noch sta(a)t(t)lichen Karosse. Ausgerechnet Mahler hatte zuvor zu diesen Bildern das Richtige gesagt: „Schily war immer elitär, weil er Teil der Elite dieser Gesellschaft ist“.
Christian Ströbele dagegen erklärt sich selbst so gut, dass die Filmemacher dem nichts entgegen zu setzen haben. Er habe schon als Kind Ungerechtigkeit nie ertragen können, sagt Ströbele. Er sei dann schreiend in sein Zimmer gegangen und habe gehofft, dass diese Unrecht erkannt werden würde. Ströbele ist der Konsequenteste von den Dreien: Als rot-grün deutsche Soldaten nach Kosovo schickt, ist er empört und stellt sich gegen seine Partei, die in der Regierungsverantwortung steht. Es habe schließlich einen Beschluss dieser seiner Partei gegeben, sich nie an kriegerischen Einsätzen zu beteiligen. Ströbele hält sich daran. Seine Parteigänger nicht und sie raten ihm, doch auszutreten. Er tut es nicht und jüngst trat er erneut an – und bekam als Kandidat in Kreuzberg erneut ein Direktmandat ür den Bundestag. Auf der Liste stand er wohl nicht. Ein beeindruckender Mann!