Ralf Schönball
Notizblog

vermitteln

27.1.2010
 

Die Berliner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher ist eine waschechte Schweizerin. Das ist als Kompliment gedacht. Denn in dem kleinen Land im Herzen Europas werden offensichtlich noch Tugenden wie die Vermittlung von Inhalten gepflegt. Und das ist, wenn es um die Stadtentwicklungs-Politik in der Stadt geht, eine wichtige Eigenschaft. Einige werden zwar sagen: Wieso denn, ihr Vorgänger Hans Stimmann hat das alles mit autoritären Mitteln gelöst! Stellt sich nur die Frage, ob dies zu einem guten Ergebnis geführt hat. Lüscher jedenfalls ist das ganze Gegenteil von Stimmann. Sie lädt zu unzähligen Kolloquien, Seminaren, Fachtagungen, Runden Tischen, Konferenzen – oder heute eben zum Frühstück im Capital Club von Berlin am Gendarmenmarkt ein. Um 8 Uhr 30. Und wenn es um die Gestaltung eines städtischen Ortes geht, dann gräbt sie zunächst in der Historie, legt die Entstehungsgeschichte und den Wandel dieses Raums frei – und sortiert dann, wohin die Reise gehen könnte. Zunächst ohne sich festzulegen. Sie öffnet den Raum. Und sie nutzt die Debatten. Vermutlich um auszuloten, was geht. Das hat etwas Basisdemokratisches, etwas von Volksdebatte ohne –entscheid. Ob sie am Ende aber auch beschließt?

Im Falle des Gendarmenmarktes stellten die Unternehmer im Capital Club ihr ein gutes Zeugnis aus für das, was sie in „Berlins Salon“, wie sie den Platz nennt, vorhat. Sie fühlten sich mitgenommen. Allerdings wurden sie auch nicht wirklich brüskiert. Ihre Belange wurden angehört. Und es wurde auf sie eingegangen. Nun könnte man sagen, sie macht es allen Recht – und dabei bleibt die Stadt auf der Strecke.

Im Falle des Gendarmenmarktes klingt es zunächst mal nicht so: Wenn sie an den Plänen für die Aufwertung dieses „Berliner Salons“ festhält, dann wird es nach der Umgestaltung mehr Offenheit, mehr Sichtachsen, bessere Zugänge geben als bisher. In einem Punkt darf man allerdings gespannt sein, wie sie sich entscheiden wird: Sie hatte mehr Wasserflächen dort vorgesehen. Auf den Bildern, die sie im Capital Club zeigte, war davon einiges noch zu sehen. Doch die Senatsbaudirektorin ging kaum darauf ein. Man weiß, dass die Gewerbetreibenden, insbesondere aber die Veranstalter des Open Air Classic um ihre Bühne fürchten. Je mehr Platz, desto größere Einnahmen. Wasserflächen sind nicht bespielbar – und mindern den Umsatz. So ähnlich geht es auch den rund um den Platz platzierten Cafés, die auf dem Gendarmenmarkt Tische und Stühle aufbauen. Wasserspiele aber prägten schon einmal diesen Raum. Und sie könnten dem Ort erneut mehr Qualität geben. Mal sehen, wer sich was traut. Regula Lüscher – übernehmen Sie!

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