Ralf Schönball
Notizblog

keine traute

5.2.2010
 

Man kann ihn ja verstehen, den Regierenden Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit, dass er im Fall der Bauakademie kein Risiko eingehen will. Aber andererseits: Gehört Gestaltung nicht zum Geschäft eines Regierungschefs? Und müsste er deshalb nicht doch ein kontrolliertes Risiko eingehen? Eigentlich schon. Natürlich wäre es eleganter, sich den Neubau nach Schinkels alten Plänen einfach so auf Kosten von Hans Wall hinstellen zu lassen. Andererseits: Wo hat es schon Millionengeschenke gegeben mit Vollkasko-Garantie, dass auch wirklich gar nichts anbrennt? Und so recht versteht man anderseits auch nicht, wozu eine ganze Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit zahlreichen Bauabteilungen eigentlich gut sein soll, wenn die Hundertschaften von Beamten nicht in der Lage sind, ein Bauprojekt so zu kontrollieren, dass es am Ende auch zu den geplanten Baukosten fertig gestellt wird. Das muss doch möglich sein! Und es ist das Risiko wert. Wenn der mit den besten Architekten des Landes besetzte Verein „Akademie für Architektur und Städtebau“ auch wirklich das einhält, was er verspricht, dann wird die Bauakademie zur Kaderschmiede für Baumeister und Bauhandwerker. Das nenne ich einen Standortfaktor. Und mit der historischen Sammlung von Plänen und Modellen aus mehreren Jahrhunderten Baugeschichte könnte die Bauakademie ein Feuerwerk an Ausstellungen entzünden, das seinesgleichen sucht. Es passt jedenfalls in das Umfeld vom Humboldt-Forum, das eine Art interkulturelles multimediales Megamuseum werden soll und der Museumsinsel, wo man eher die klassische Kunst finden wird. Warum man sich diese Chance entgehen lässt, erschließt sich mir jedenfalls nicht so recht.

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